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Die Elektrik im Audi 80 GL

Der auf dieser Seite veröffentlichte Text entstammt im Original der Beilage "Kraftfahrzeugelektriker" der Zeitschrift "Krafthand", Ausgabe 25.August 1973, S.33-S.34
Stichworte im Text: Lichtschaltung, Kontrolleinrichtung für die Zweikreis-Bremsanlage



Die Elektrik im Audi 80 GL

Die Elektrik und Elektronik des Audi 100 wurde bereits in der KRAFTHAND Nr. 26/1972 näher betrachtet. Einzelne Aggregate wurden hinsichtlich ihrer Arbeitsweise besonders herausgestellt, damit dem Autoelektriker dadurch das Zusammenwirken der einzelnen Bauteile geläufig wird. Auch beim Audi 80 GL ist den Konstrukteuren in Zusammenarbeit zwischen Erstausrüster und Zubehörindustrie schaltungsseitig etwas Neues eingefallen.

Erstmalig hat sich ein Neufahrzeug der neuen StVO im Hinblick auf die Lichtschaltung angepaßt. Beim Audi 80 ist der eignetliche Lichtschalter nur einstufig ausgeführt. Die Betriebsanleitung besagt: "Bei eingedrücktem Schalter sind das Standlicht, das Fern- bzw. Abblendlicht, die Kennzeichenbeleuchtung, die Rückleuchten und die Armaturenbeleuchtung eingeschaltet." Die StVO, § 17, Absatz 2, schreibt vor, daß allein mit Standlicht nicht mehr gefahren werden darf. Diese Vorschrift fand beim Audi 80 besondere Berücksichtigung. Aus Schaltbild 1 geht der Stromverlauf der Lichtschaltung hervor. Vom Lenk-Zündschloß (30-75) wird der Strom über den Lichtschalter (75-75a) weiter über den "Ausschalter" (75a-75b) an das Relais für Hauptlicht geleitet. Der Anker im Relais (30-87) wird angezogen, und somit wird der Anschlußklemme 56 am Kipprelais ein direkter Batteriestrom (30) gegeben. Der Lichtschalterkontakt (75-75a) steuert also nur die Relaisspule und ist daher recht belastungsfrei gehalten. Der "Ausschalter" für das Hauptlicht ist für Fahrten im Ausland vorgesehen; denn keinesfalls hat der § 17 der StVO einen internationalen Charakter. Wer etwa durch Paris bei ausreichender Straßenbeleuchtung fahren will, ohne sich einen Strafzettel einzuhandeln, der drücke den "Ausschalter", und schon fährt er nur mit Standlicht. Diese Neuigkeit verdient, besonders erwähnt zu werden.Schaltung 1 Im Bundesgebiet bleibt der "Ausschalter" des Audi 80 stets unangetastet (Stellung 0). In beiden Schaltern sind für die Symbolbeleuchtung Glimmlampen eingebaut. Beim Einschalten der Zündung glimmen die Symbole, während sie bei gedrückten Schalter leuchten.

Die Drucktaste im Blink-Abblendschalter steuert das Relais für Lichthupe, Fern- und Abblendlicht (Kipprelais). Bei Tagfahrt wird über das Kipprelais (30-56a) von der Drucktaste lediglich die Lichthupe ausgelöst. Bei Nachtfahrten dient die Drucktaste als Abblendschalter. Bei jedem Tastendruck wird die Wippe W im Relais von 56a auf 56b und umgekehrt geschaltet. Damit bei Stellung Fernlicht (56a) auch die beiden äußeren Abblendlicht-Scheinwerfer mitbrennen, hat Audi noch ein "Relais für Fernlicht mit Abblendlicht" vorgesehen.

Aus dem Schaltbild geht hervor, daß beim Startvorgang (30-15-50), der über das Lenk-Zündschloß eingeleitet wird, das "große Licht" so lange ausgeschaltet bleibt, um dem Starter die volle Batterieleistung zuzuführen. Bei diesem Vorgang bleibt das Standlicht (58) aus Gründen der Verkehrssicherheit eingeschaltet. Auch kann bei abgezogenem Zündschlüssel das Scheinwerferlicht nicht weiter brennen.

Rechts im Schaltbild ist die Kontrolleinrichtung für die Zweikreis-Bremsanlage gezeigt, die sich aus zwei hydraulischen Bremslichtschaltern und einer Kontrolleuchte mit Prüftaste zusammensetzt. Die Kontrolleuchte muß, wie die Lade- und Öldruckkontrolleuchte, auf Funktionsbereitschaft überprüft werden; denn eine defekte Glühlampe kann ja bei einem eventuell eintretenden Schaden nicht mehr anzeigen. Jeder Bremskreis ist mit einem Bremslichtschalter versehern, die paralell miteinander verkabelt sind. Sobald durch den Bremspedaldruck der Kontakt 81-81a in beiden Schaltern auf den gegenüberliegenden 81-82a überwechselt, leuchtet die Kontrolleuchte nicht auf, weil beide Kontaktklemmen 81a keinen Plusstrom erhalten. Ist jedoch ein Bremskreis nicht in Ordnung, so bleibt der betreffende Kontakt in seiner Ruhelage und dadurch wird ein Strom auf die Kontrolleuchte gegeben. Durch ihr Signal zeigt die Kontrolleuchte an, daß ein Bremskreis nicht in Ordnung ist. Bis zur Behebung des Schadens muß mit verlängerten Bremswegen gerechnet werden. Es ist also höchste Vorsicht geboten. Die Funktionsbereitschaft der Glühlampe in der Kontrolleuchte kann durch den eingebauten Drucktastenschalter überprüft werden. Wird der Schalter gedrückt, so fließt ein Strom von Zündschalterklemme 15 bzw. 15a über die Kontrolleuchte an Masse. Die eingebaute Sperrdiode soll verhindern, daß bei einer Überprüfung kein Strom auf die Bremsleuchten gelangen kann. Damit ist auch die Möglichkeit einer Bremsvortäuschung genommen. Dieses Schaltsystem für die Überprüfung der Kontrolleinrichtung schließt natürlich nicht aus, daß Wochen vergehen, bevor der Fahrer wieder eine manuelle Kontrolle vornimmt. Diese Schaltungsart ist daher wenig sinnvoll.

Im Schaltbild 2 wird nun dargestellt, wie eine Lösung möglich ist, ohne die schon kostenseitig recht aufwendige Elektrik im Audi 80 noch weiter zu belasten. Das "Relais für Fernlicht mit Abblendlicht" wird durch eine Kabelbrücke, die von den Anschlußklemmen 56 und 56b am Kipprelais führt, ersetzt. Die Funktionseigenschaften bleiben dabei voll erhalten. Das Hauptlichtrelais ist für eine maximale Dauerbelastbarkeit von 30 A ausgelegt. Schaltung 2Es kann daher bedenkenlos die zusätzliche Belastung der Abblendlicht-Scheinwerfer (56b) mit aufnehmen. Somit ist das "Relais für Fernlicht mit Abblendlicht" freigeworden für eine automatische Glühlampenüberprüfung der Bremskontrolleinrichtung. Die Klemme 86 des Relais ist mit der Reglerklemme D+ bzw. mit der Ladeanzeigeleuchte verbunden. Bei gestecktem Zündschlüssel und stehemdem Motor zeigt D+ ein negatives Potential. Der Anker im Relais wird angezogen, und es wird dadurch ein Plusstrom an die Kontrolleuchte geführt. Wie die Lade und Öldruckkontrolleuchte ihr Signal für Funktionsbereitschaft vor Fahrtbeginn zeigen, so ist auch für die Bremskontrolleuchte eine Funktionsüberwachung gegeben. Nach dem Startvorgang geht der Relaisanker in seine Ruhelage zurück, weil sich nunmehr an D+ ein Polaritätswechsel von Minus auf Plus vollzogen hat. Für Zweikreis-Bremsanlagen sind Kontrolleinrichtungen bekannt, die auch ohne Relais eine einwandfreieautomatische Eigenkontrolle gewährleisten. Eingeleitete Patentansprüche lassen allerdings eine Darstellung dieser Schaltungsweise als unzweckmäßig erscheinen.

Das Relais für die Wisch-Wasch-Automatik ist auf Wunsch mit Intervallgeber lieferbar. Die Ausführungsarten und die Anschaltungen wurden bereits bei der Elektrik des Audi 100 im Heft 26/1972 gezeigt.

Wie oben bereits gesagt, sind die beiden Lichtschalter mit Glimmlampen für die Symbolbeleuchtung ausgestattet. Es muß noch erwähnt werden, daß auch der Drehknopf für Heizung und Frischluft sowie der Warnblinkschalter mit einer solchen Glimmlampe versehen sind. Heizbare Heckscheibe und Nebelscheinwerfer gelten als Sonderzubehör. Die dazu vorgesehenen Schalter sind gleichfalls mit beleuchteten Symbolen ausgerüstet. Bei Nachtfahrten ist daher ein schnelles Auffinden des betreffenden Schalters gewährleistet.

Die sogenannte "Relais-Zentrale" im Audi 80 GL nimmt nicht nur die 10 Relais (mit Sonderwünschen) auf, sondern enthält gleichfalls die 17 Sicherungen die sich für die kostenaufwendige Elektrik als erforderlich erweisen. Wird als Sonderausrüstung gleich ein Autoradio mitbestellt, so ist damit auch die 18. Sicherung fällig; diese wird dann als "fliegende Sicherung" vorgesehen.

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